Um es gleich zu sagen: Der Schein trügt! Ja, in meiner Apotheke, in großen Selbstschraub-Möbelmärkten, und manchen mittelgroßen Betrieben auf dem Flur oder im Keller … überall dort gibt es Regale voller Tausch- oder Verschenkbücher, liebevoll betreute Veedels-Vitirinen in einzelnen Stadtteilen oder achtlos auf die Straße gestellte Bücherkisten mit Zettel dran: „zu verschenken.“ Ja, man kriegt sie „hinterhergeschmissen“, man könnte glatt denken: Ein Buch ist nichts (mehr) wert!

Aber!

Frage: Warum werden eigentlich noch lang nicht alle ausrangierten Bücher einfach in den Müll geworfen?

Ich denke: In uns allen steckt noch mindestens ein kleiner Rest des alten Gedankens, dass Bücher eben doch wertvoll sind. Irgendwie. Sei es wegen des Inhalts, der uns mal genutzt hat, uns amüsiert, zum Träumen oder auf neue Ideen gebracht hat. Sei es wegen sentimentaler Anflüge wie dem des luxuriösen Gefühls, eines Tages in der eignen Bibliothek sitzen zu können – dickem Sessel, mit Tee- oder Kaffeekanne vor uns. Und ganz viel Zeit.

Voilà, da ist er schon, DER Grund, aus dem ich behaupte, dass Bücher noch heute ungeheuer wertvoll sind, echter Luxus sogar:

Bücher brauchen Zeit!

Es braucht Zeit, sich auf sie einzulassen, sie zu lesen, sich auf die Inhalte zu konzentrieren. Zeit, um sich mit nur wenigen Bewegungen irgendwo hinzu setzen (oder zu legen), alles andere stehen und liegen zu lassen, am besten nicht mal mehr einen Gedanken an das zu verschwenden, was man denn sonst hätte tun können, vielleicht auch tun müssen …

Zeit ist das, was die wenigsten von uns wirklich im Überfluss haben. Eher haben wir noch ein paar Euro irgendwo als Zeit. Darum ist Zeit ein echtes Luxusgut.

Bücher zu schreiben, braucht noch mehr Zeit. Wer Bücher schreiben will, muss sie regelrecht „investieren“, meist raubt er den Menschen seiner Umgebung auch noch ein bisschen was von deren Zeit, manchmal auch ihrer Nerven: „“Wie findest du das? Lies doch noch mal!“ Oder: „Ist die Fassung jetzt nicht viel besser als die vorigen? WAS?! Du siehst die Unterschiede nicht?!“ Klar: Irgendwann sollten Profi-Leser für genau diese Zeit bezahlt werden. Aber auch die brauchen Zeit … Denn:

Bücher sind nie automatisierbar, weder beim Lesen noch beim Schreiben und Überarbeiten

Das gilt natürlich auch für E-Books oder das im Selfpublishing produzierte, gedruckte Buch. Dass da technische Automatismen mit im Spiel sind, ist für alle Inhalte nicht von Belang: Die sollten so gut wie nie (außer vielleicht bei einer ganz groben Rechtschreibprüfung) an keiner Stelle Automatismen unterworfen werden … das ist nach wie vor „Handarbeit“, langwierig, zeitaufwändig. Weitere Anforderungen kommen dazu. Die haben mit den Bedürfnissen der Leser/innen, der Buch-Dramaturgie, der Sprache und den Wünschen von Autor/innen an Buchinhalte zu tun. Vieles davon klappt nicht unbedingt auf Anhieb. Also braucht es Zeit. Intensives Nachdenken, Recherche, Ausprobieren, Schreiben, Umschreiben und noch mal umschreiben …

Das letzte Abenteuer unserer Zeit …

Ich habe vergessen, wer – aber irgendjemand sagte, Bücherschreiben sei eines der letzten Abenteuer unserer Zeit. Ich denke, das stimmt. Aber auch das Bücher-Lesen kann und sollte ein Abenteuer sein. Und die dickste Investition in eine solche Abenteuer-Reise ist nun mal ganz und gar nicht das Geld. Sondern für alle Beteiligten immer nur eines: die Zeit!

Der Wert der Bücher

Wenn also noch so viele „zu-verschenken“-Bücherkisten auf der Straße rumstehen, so mindert das nicht im Geringsten den Wert eines Buches. Wertvoll werden sie erst, wenn wir sie lesen. Dann begeben wir uns auf Reisen, investieren kostbare Zeit. Noch mehr Zeit haben all die Autor/innen investiert, die Erst- und Testleser, die Lektor/innen … Für sie alle ist dieses Buch damit ziemlich wertvoll geworden!

Und wenn Sie selbst planen, ein Buch zu publizieren, helfe ich Ihnen gern dabei! Unter anderem auch bei der Zeit-Planung.

Kontakt


 

Ich danke allen, die diesen Beitrag teilen mögen! Ausdrucken geht auch.