Gemäß der klugen Definitionen und Abgrenzungen, die meine Mentorin und Supervisorin Anke Fröchling deutschlandweit als Erste mit ihrem Buch „Schreibcoaching“ (Jahreszahl…= vorgenommen hat, unterscheide ich mittlerweile – nicht zuletzt aufgrund meiner eigenen Erfahrungen als Schreibcoach – drei Arten der Begleitung von Mensch und Text im Schreibprozess:

  1. Autorencoaching
    Ganz klar: Hier steht der Mensch im Mittelpunkt, als Coach stelle ich eine Menge Fragen, gebe ihm Hinweise zur Selbsthilfe und trainiere das, was als Problem erkannt und gelöst werden soll. Das können Themen sein wie Zieldefinition von Text und/oder Schreibprozess, der Schreibfluss contra mögliche Schreibhemmungen, die Balance zwischen Leben/ (Beruf) und Schreiben, die Zeit- und Arbeitsorganisation im Bezug auf den Schreibprozess, Irritationen, Hemmungen, Blockaden. Das alles je nach persönlicher Disposition des Klienten/ der Klientin. Und zwar in Bezug auf berufliches und/oder privates Schreiben. Die Art der Texte spielt dabei keine Rolle.
  2. Schreibtraining
    Hier geht es vor allem um das „Handwerkszeug“: Textarten, Schreib- und Kreativitätstechniken, das Training verschiedener Schreibstile – privat oder beruflich. Dazu können auch Unternehmensziele gehören wie das entwickeln und Einüben von „corporate wording“ oder die Umsetzung sprachlicher Guidelines. Aber auch der sinnvolle Aufbau von Büchern gehört dazu.

Textcoaching
Dieser Begriff ist eine Kombination aus Autorencoaching und Schreibtraining plus der Besonderheit, dass ich davon ausgehe, dass jeder Text seine ihm gemäße Form immer schon „mitbringt“. Dazu kommt – ganz wichtig!  – der Schreibstil/die Persönlichkeit der Autor/innen. Letzteres hat, vor allem wenn es um das Schrieben von Büchern geht – für mich ein sehr großes Gewicht: Etwa 20% der Form und des Stils eines Buches werden aus meiner Sicht vom Thema her bestimmt, rund 80% von der Person des schreibenden Menschen. Dies gilt es zu entwickeln.
Im  Prozess des Textcoachings kehrt sich dieses Verhältnis in aller Regel meist um: Dann wird zu etwa 80% der Text,  dessen Stil, Formulierung und Präsentation im Vordergrund stehen. Autorinnen und Autoren bekommen gleichzeitig jede Beratung/Coaching-Begleitung, die sie brauchen.
Textcoaching biete ich nur für Bücher an, mein liebstes Genre ist das erzählende Sachbuch, denn dessen Form und Präsentation ist von Beginn an schon genauso offen wie mein Ansatz in der Arbeit als Coach.
Textcoaching ist ein Beratungsprozess, der sowohl ein stark erweitertes Lektorat wie Schreibtraining -und -beratung und Autorencoaching beinhaltet.

 

 

Autorenberatung

Mein Konzept ( = Hebamme. Text-Mentorin. )

 

Prämissen

  • Es gibt keine objektiven Texte! Text ist immer subjektiv.
  • „Meine“ Autor/innen müssen/sollen/wollen nicht allein vom Bücher-Schreiben leben.
  • „Meine“ Autor/innen schreiben gern und freiwillig.
  • Schreibstörungen sind nicht mein Hauptthema.
  • Jeder Autor hat eine eigene Stimme = Autorenstimme.
  • Aus der Autorenstimme ergibt sich die Buchstimme. Nicht umgekehrt.
  • Autoren- und Buchstimme werden nach Möglichkeit „aus sich heraus“ entwickelt, Schielen nach Markt und Beliebtheit sollte unterbleiben
  • Konkurrenzdenken ist tabu. Das Sammeln von best-practice-Beispielen dagegen wichtig. Sie können – gemäß der eigenen Stimme modifiziert und verwendet werden.
  • Eine tolle Chance des Selfpublishing-Marktes ist die Aufhebung von Genre-Grenzen der Buchwelt. Nutzen!
  • Die Bücher des Verlags Texthandwerk tendieren zum Nischenprodukt. Darum kommt der „Stimme der (Nischen-)Community eine wichtige Rolle zu.
  • Bei Problemen/Schreibstörungen mache ich Angebote. Auswahl und Umsetzung liegen allein beim Autor.

Mein Konzept in Hauptpunkten

1.: Stimme finden, sichtbar machen und halten

Es gibt das „Ich“, den Autor, den Text und das Buch. Jeder dieser Bestandteile hat eine „Stimme“.

Die „eigene Stimme“ ( = „Ich“) hat zwei Hauptbestandteile:

  • Sprache ( = eher formal. Vor allem: kulturelle/persönliche Geprägtheit)
  • Standpunkt ( = eher inhaltlich. Vor allem: ein Prozess des Bewusstwerdens)

Beides zusammen ergibt die Autorenstimme ( = eine Mischung aus [wenig] Bewusstem und [mehr] Unbewusstem). Nach außen hin braucht sie Einheitlichkeit, innere Logik, eine klare Struktur – dann wirkt sie überzeugend.

Aus der Autorenstimme ergibt sich die Textstimme.  Die Textstimme bestimmt Struktur, Aufbau, Layout etc. Text ist Form. Und damit formgewordener Spiegel der Autorenstimme

Aus der „eigenen Stimme“ resultiert das Buch – das damit ALLE Stimmen beinhaltet („Buchstimme“).

Erst auf Buch-Ebene beginnt der Dialog mit äußeren Faktoren ( = Sender/Empfänger) Es ist ratsam, die „Buchstimme“ schon beim beim Schreiben im Hinterkopf zu haben. Ich trenne die Dinge aber darum so stark, weil es eine Rangfolge der Einflussnahme geben sollte:

  1. Eigene Stimme (Ich, in Sprache und Haltung)
  2. Autorenstimme (Rhythmus, Tonalität der „Monolog-Anteile“, innere Bilder, innerer Antrieb, eher unbewusst)
  3. Textstimme = formgewordene Autorenstimme
  4. Buchstimme = Die Summe aller andren Stimmen. Und erst sie wird aktiv in Bezug zum „Außen“ gesetzt

 

 

  1. Sender-Empfänger-Perspektiven in den Blick nehmen und erst den Text, danach das Buch daran ausrichten.

Dies ist ein zweiter, ein Überarbeitungsschritt. Den der Autor aber idealerweise schon von Beginn an im Kopf hat. Im Einzelnen gilt es zu definieren/zu betrachten:

  • Wechselwirkung zwischen Autor und „persona“ ( = fiktiver, aber u.U. genau definierte Leser) – bestimmt das WAS. Wünsche und Idealbilder erlaubt! SEHR subjektiv. Im Prinzip ein innerer Monolog des Autors
  • Wechselwirkungen zwischen Buch und Zielgruppe = bestimmt das WIE des Textes, also die Tonalität der „Dialog-Anteile“. Dialogpartner sind die „Nischenbewohner“. Ausschnitte der „Realität“, aber immer noch ziemlich speziell/subjektiv. Ein Dialog mit vielen Eigenanteilen des Autors.
  • Wechselwirkungen zwischen Buch und Markt = bestimmt das WIE de Buches: Genre-Wahl, Ausstattung, Layout etc. Fast ausschließlich „harte facts“, kaum noch subjektiv (allenfalls im Hinblick auf die „Nische“). Ein Dialog mit Zahlen und Statistiken.

 

(Neu-)Definition des Begriffs/Status‘ AUTOR/IN

  1. Ein Autor ist NICHT gleich „Schriftsteller“. Schriftsteller sind Spezialfälle des Autor-Seins: Schriftsteller schreiben nur Belletristik, ein Autor kann auch Sachbücher schreiben – oder anderes (Blog, Dramen, Filmdrehbücher, Hörspiele…)
  2. Bestimmung der wirtschaftlichen Realität! Wie sieht das Berufsbild von Menschen aus, die wirklich NUR vom Schreiben leben? Vermutung: Eine Kombination aus sehr vielen unterschiedlichen „Autor-Profilen“: Selbst der renommierteste Schriftsteller verfasst mittlerweile (journalistische) Essays, Glossen, Blogs, gibt Interviews, hält Vorträge und Festreden etc. Bedeutet: Auch rein wirtschaftlich gesehen, halte ich den reien „Schriftsteller“ für eine aussterbende Spezies (so es ihn den je gegeben hat… Goethe und Co. waren Beamte, Forscher, Lehrer, Fabrikleiter, Prokuristen, Juristen, Ärzte…)
  3. Autor ist, wer mit seinen Texten eine eigene Schöpfungshöhe Das ist ein schrecklich vernachlässigter Bereich, vor allem, wenn beruflich geschrieben wird – eine Parallele: PC-Programmiersprachen, die im Angestelltenverhältnis entwickelt werden.
  4. Immer wieder neu bestimmt werden muss der mediale Status der Möglichkeiten, Autor zu sein! Von Mails über Newsletter bis Texte für Produkte in Online-Shops: Idealerweise haben sie eine „eigene Sprache/Stimme“ (Manufaktum!) Damit eine eigene Schöpfungshöhe – für mich begründet das Autorschaft!
  5. Wie oben schon erwähnt: Autoren schreiben Opern-Libretti, Film-Untertitel, TV-Soaps, Filmdrehbücher, Hörspiele, Theaterstücke, Texte in Comic-Spachblasen. Und was ist mit Werbetextern? Okay: Es gibt auch noch Texter – Texter ist, wer in DIREKTEM Kundenauftrag schreibt. Schriftsteller ist, wer schreibt, bevor ein Buch verkauft ist – aber machen nicht auch Verlage Vorgaben/geben Aufträge? (O doch!)

 

Fazit: Autoren sind alle.

  • Texter (auch Werbetexter!)
  • Schriftsteller
  • Blogger, Drehbuchschreiber usw.

 

Und da kaum jemand nur von EINEM Autor-„Beruf“ leben kann, gibt es für mich auch keine „Laien-Schriftsteller“, Hobby-Autoren“ etc.! (Es sei denn, er ist Millionär und macht statt Yoga Schreib-Übungen…)

 

 

Ergänzung: Roland Barthes NACH seinem „Tod des Autors“ in „Vorbereitung des Romans“ 1980

 

„Typologie der verschiedenen Ichs, die sukzessive schreiben:

 

  • Persona: die bürgerliche, zivile, alltägliche Privatperson, die NICHT schreibt
  • Scriptor: Der Schriftsteller als soziales Bild. Der, der schreibt, von dem man spricht, den man kommentiert, in Lehrbücher und Genres einsortiert
  • Auctor: Das Ich insoweit es als Garant dessen fühlt, der schreibt. Urheber eines Werks. Der, der (väterliche) Verantwortung für das Werk übernimmt. Das Ich, das sich gesellschaftlich und mystisch als „Schriftsteller“ denkt.
  • Scribens: Das Ich in seiner Schreibpraxis.

 

All diese Ichs sind in der Schrift/im Text miteinander verwoben. Jeweils alle Kombinationsmöglichkeiten sind vorstellbar.

 

 

Das stammt aus dem Buch von Christian Schärf – Der Wunsch zu schreiben.

 

Der sagt auch: „Der hohe Verdichtungsgrad eines literarischen Texts ist etwas, das man nicht messen kann. Deshalb wir man auch ohne abzusehendes Ende darüber diskutieren können, was Literatur denn sei und woran man sie messen könne. Schreiben mit dem Ziel, Literatur zu machen, erscheint demnach eine höchst seltsame Angelegenheit zu sein. Denn der „Vorsatz Literatur“ hängt neben anderen Faktoren entscheidend von der Selbsteinschätzung des Schreibenden im Hinblick auf seine Kompetenz zur Textverdichtung ab. Ob das Ziel des Schreibens tatsächlich der literarische Text sein kann, erscheint fraglich.

 

Selig sind die Zeiten, die och davon ausgingen, dass ein Dichter ein Werk herstellt und hinterlässt und dass man dieses Werk mitsamt seinen Entstehungsvarianten auch als Werk präsentieren könnte.

Der Autor-Werk-Mythos hatte seinen Höhepunkt um 1900, spätestens seit 1950 gibt es ihn nicht mehr. An seine Stelle tritt ein Prozess, dessen Ziel die Fiktion eines Werkes sei, schreibt Schärf. Diesen Prozess könnte man auch „Textur“ nennen. Und Textur ist „eine Wucherung, die Grenzen zwischen biografischem Leben, konzipierender Notiz und literarischem Wollen verfließen ineninander.“

 

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