Was ist das denn schon wieder? #litcamp19 oder auch #litcampHD steht für das vierte Literatur-Barcamp in Heidelberg 2019. Und wie bei allen Barcamps wäre es ganz gut, die Teilnehmerinnen und Teilnehmer wären auch auf Twitter aktiv.

#Litcamp19: Twitter wäre gut. Dann klappt auch die Sache mit den Hashtags (#). Klick um zu Tweeten

Lustigerweise war das gerade bei den rund 200 Menschen, die dieses Jahr bei größter Hitze in Heidelberg zusammenkamen, nicht immer der Fall … und es funktionierte trotzdem. Allerbestens sogar, denn die Veranstalter (alle auf einen Blick hier) stemmten sich mit ganzer Kraft gegen die Hitze. Danke dafür! Da gab es Pools, an denen die Sessions – also von Teilnehmenden selbst angebotenen Veranstaltungen – mit den Füßen im Wasser hängend absolviert werden konnten, vor sich hinsprühende Gartenschläuche, in und auf denen man eine Dusche nehmen konnte, nach spätestens zehn Minuten waren die Klamotten auch schon wieder trocken. Etwa 40 Grad plus eben.

Wasser!!! Foto: vbachem.de

litcamp19 Heidelberg: Diversity & die Vielfalt der Buchwelt

Bei vielen Barcamps ist es ja  so, dass man in eine „Blase“ kommt, bei der man sich fühlt wie die in der Schule Sitzengebliebene: Alle kennen sich schon ewig – nur ich kenne niemanden. Nein, so war das hier nicht. Da gab es viele, die waren noch nie beim litcamp. Weil Kinderbetreuung geboten wurde, krabbelten auch kleine Menschen rum – und stießen schon mal mit einem freundlichen Hund zusammen … Alles erlaubt. Das macht ebenso den Charme des litcamps aus wie die absolut breite Vielfalt der Anwesenden: zwischen 11 und mindestens 59 Jahren lag der Altersdurchschnitt, Diversity war – ganz sicher nicht nur darum – ein naheliegendes Thema. Das lag ebenso in der Luft wie „wir-lesen-frauen“ (eine Initiative des Buchblogs Schreibtrieb), Fantasy- und Science-Fiction, Weltuntergang, künstliche Intelligenzen, Archäologie, Nachhaltigkeit, Gamification, people of colour, Sensitivity Reading, podcasts, Hörbucher, Blogs, Buch-Crowdfundig oder geile Messestände … und das waren noch lang nicht alle Session-Themen.

Es ist und bleibt die Crux von Barcamps: Noch toller ist immer das, was man verpasst hat. Und zwangsläufig verpasst man bei sieben Angeboten gleichzeitig (wie in diesem Fall) immer sechs. Oder sieben, wenn man gerade selbst eine Session hält. Das habe ich schon bei vielen Barcamps schmerzlich erlebt, aber noch nie hatte ich das Gefühl, dass genau diese Situation eins zu eins genau das widerspiegelt, was Thema der ganzen Veranstaltung ist. Und das war – nein -, nicht „nur“ Literatur, sondern gleich die ganze Buchwelt. Das Buch in all seinen Facetten. Und dabei ist es so gut wie unmöglich, wirklich ALLE Aspekte im Blick zu behalten: aus Sicht der Schreibenden, der Lesenden, der Protagonist/innen und des Textes – also: beispielsweise stilistisch und in der Genre-Einordnung. Aus Vermarktungs- und Buchsatz-Sicht, als gesellschaftlicher Auftrag, aus Sicht der Selbstfürsorge des Menschen, der da schreibt, aus Sicht von Übersetzer/innen, Lektor/innen und Testleser/innen, aus Verlagssicht, als Selfpublisher, als angehende Autorin oder Verlagsautor. Wirklich: All das kam zur Sprache. Und bei dem, was ich hier schreibe, habe ich sicher noch die Hälfte vergessen.

litcamp19 Heidelberg: So komfortabel!

Bei so großer Bandbreite war es ein weiteres großes Plus dieses barcamps, dass zu den Sponsoren auch Dienstleister gehörten, die bei der Bündelung der Vielfalt helfen konnten – etwa, sich sehr komfortabel den riesigen Sessionplan als abgetipptes Dokument direkt aufs Smartphone laden zu können, statt immer wieder zu dem Board rennen zu müssen, an dem die handgeschrieben Zettel zur angebotenen Session hängen – und sich mühsam durch die Handschriften zu buchstabieren. Das hatten wir lineupr zu verdanken. Fand ich toll.

Ganz besonders komfortabel fand und finde ich allerdings, dass Valentin Bachem grandiose Fotos gemacht und unter einer CC-Lizenz zur Verwendung freigegeben hat – alle Fotos auf dieser Seite stammen von ihm. Danke dafür!

Noch mal zum Mitschreiben: Alle Fotos: vbachem unter der CC-BY-SA 2.0

litcamp19 Heidelberg: Meine Schlaglichter

Leider konnte auch ich mich nicht siebenteilen … Ich habe also vieles verpasst. Was ich gefunden habe, ist aber schon mehr als genug, um daraus noch jede Menge äußerst nützliche Tipps zu machen. Darum schon mal die Vorankündigung: Das tue ich in meinem nächsten Newsletter. Erscheint bald schon wieder, aber nach wie vor nur monatlich. Dort gehe ich noch viel ausführlicher auf all das ein, was ich in Heidelberg entdeckt habe. Wer ihn abonnieren möchte – gern! Dann bitte hier lang.

„Preispolitik“ für Bücher

Die wunderbare Sandra Uschtrin und den Shop der Autorenwelt hab ich ja hier schon mehrfach erwähnt (zum Beispiel hier…) In ihrer Session fragte sie „Wer verdient wieviel an einem Buch?“ Weil ich mir Zahlen einfach nie merken kann, musste ich dorthin – und hatte einen echten Erkenntnis-Blitz: Jedes Buch ist Teil eines großen Kosmos‘, der Buchwelt eben. Und wenn sich Selfpublisher jetzt durch die Preispolitik großer Buchvermarktungsplattformen (naja, eigentlich vor allem einer …) aufstacheln lassen, die Preise für ihr Buch immer weiter nach unten zu drücken, dann schaden sie damit nicht nur sich selbst, sondern auch allen anderen Beteiligten. Da muss sich dann niemand wundern, wenn Buchhändler/innen nur genervt abwinken, wenn von Selfpublishing die Rede ist.
Ich kann es auch deutlicher sagen: amazon lebt von der schieren Masse an Büchern. Für jeden Buchhändler und jede Autorin aber macht ein Unterschied von 1 Euro oder mehr pro Buchverkaufspreis einen spürbar deutlichen Unterschied! Sandra Uschtrin sagt: Die Schmerzgrenze für den Buchhandel liegt bei jedem Print-Buch, das weniger als 10 Euro kostet. Finde ich wichtig.

Sandra Uschtrin beim litcamp19. Foto: vbachem.de

#indierealität: Bücher und E-Books aus Indieverlagen

Auch eine andere Große der Buchbranche, Christiane Frohmann, sagte Bemerkenswertes. Sie repräsentierte in Heidelberg –  auch als Sponsor – die Plattform mojoreads. Und erzählte sehr offen von eigenen Erfahrungen: Wie  sie sich, wie so viele von uns, zur unbezahlten Hilfskraft großer Konzerne gemacht hat, weil wir ständig kostenlos Facebook, twitter und Co. zuarbeiten. Wie im Buchmarktgeschehen auch weiterhin die „alten weißen Männer“ – ausdrücklich als „Typbeschreibung“ gedacht – das Geschehen bestimmen werden, wenn wir es nicht schaffen, bunte, lebendige Gegenwelten zu etablieren. Welten, in denen Texte, Bücher und Menschen so aussehen, wie sie in der Realität sind: weiblich, coloured, divers. Das war Öl auf die Mühlen all der zahlreich Anwesenden, die – aus den unterschiedlichsten Perspektiven – um mehr Diversität in Buch- und Lebenswelt kämpfen.
Keine Ahnung, ob mojoreads diesen großen Anspruch wirklich halten kann/wird … Aber immerhin ist das eine Sache, zu der wir alle sehr, sehr viel (nein: eigentlich ALLES!) beitragen können. Frau Frohmann geht da mit bestem Beispiel voran.
Ihr Appell auf mojoreads: „Kauft bitte, wenn ihr das Geld dafür habt, das Buch, hievt es in die Verkaufscharts, hier über mojoreads oder bei eurer Lieblingsbuchhandlung, lest es, besternt es, empfehlt es weiter. Bittet eure Bibliothek, es anzuschaffen. Benutzt bitte, wenn ihr im Netz dazu was schreibt, #indierealität, denn darum geht es: Bücher und E-Books aus Indieverlagen mit Stimmen, die sonst nicht gehört werden, weil das Feuilleton sie nur in Ausnahmefällen entdeckt, IN DIE REALITÄT zu bringen, sie wahrnehmbar zu machen, die Vorstellung dessen, was als schöne, interessante, relevante Literatur betrachtet wird, deutlich zu erweitern. #indierealität versteht sich als Ergänzung zu den Initiativen #vielfaltdurchlesen und #indiebookchallenge. […] Verkäufe und Konsum verändern im Kapitalismus auch kulturelle Realitäten – lasst es uns versuchen!“ Ja! Ich jedenfalls hab mich schon mal bei mojoreads angemeldet. Und mir vorgenommen, dort so aktiv wie möglich zu sein. Wir können andere Menschen dorthin einladen, Gruppen bilden, Beiträge schreiben, Buchsammlungen anlegen … und credits gibts auch.

Christiane Frohmann beim litcamp19. Foto: vbachem.de

Ein Rezensionsblog kluger Autor/innen

Eine andere Entdeckung aus Heidelberg sprang mir dann sofort bei meinem ersten mojo-Besuch entgegen: Das Buchensemble postet dort regelmäßig Artikel, Empfehlungen, Rezensionen. Und zwar nicht irgendwas, sondern immer sehr gut durchdachte Beiträge zu bestimmten Themen. Ich finde, da steckt ganz viel Klugheit drin. Kein Wunder! Aus der Selbstbeschreibung: „Rezensionen aller Genres, geschrieben von einem Team, das ausschließlich aus Autorinnen und Autoren besteht. Wir lesen mit Leidenschaft und geben unseren Rezensionen durch die eigene Schreiberfahrung die gewisse Tiefe.“ Stimmt! Und ich freue mich sehr darüber, einigen von ihnen in Heidelberg quasi direkt in die Arme gelaufen zu sein …

Und mehr: beispielsweise Frauen-Welten, Buchsatz …

Tut mir leid, jetzt wirds langsam zu viel für hier … Ich verspreche aber: In meinem Newsletter gehe ich auf weitere, hoch spannende Fundstücke aus Heidelberg ein. Darauf, was passiert, wenn Frauen sich gegen männliche (Vor-)Urteile querstellen, auf die Kunst des Testlesens, auf das Herzens-Projekt von Karl-Heinz Zimmer, das auch Selfpublishern den oft so notwendigen Profi-Buchsatz kostenlos ermöglicht. Und mal sehen, was ich bislang sonst noch alles übersehen habe …

Karl-Heinz Zimmer beim litcamp19. Foto: vbachem.de

 

Bevor ich’s vergesse: Der größte Teil aller Anwesenden bestand aus (angehenden) Autorinnen und Autoren – und die hatten mit einer der Hauptsponsorinnen des litcamps, Jurenka Jurk und deren Romanschule „Schreibfluss“ zwei Tage lang eine äußerst kompetente Frau zu allen Fragen rund um das Schreiben von Romanen in ständiger Nähe. Die Frau hat eine unglaubliche Power, ganz viel Geduld und noch mehr Fachwissen. Ich fand sie schlicht beeindruckend.

Für Selfpublisher stand Thorsten Simon von BoD Rede und Antwort. Ein Interview mit ihm hier – da finden sich auch Porträts weiterer Sponsoren. 

Nach dem litcamp ist vor dem litcamp …

Wer jetzt auch Lust auf den Besuch des litcamps in Heidelberg bekommen hat: Am besten zum Newsletter anmelden – dort werden alle Termine rechtzeitig bekannt gegeben.
Das nächste Literaturcamp findet von 31. August bis 1. September in Hamburg statt – die erste Ticketverkaufswelle ist schon gelaufen, ich nehme an, es gibt noch eine weitere … Infos hier.
Und dann gibt es demnächst auch ein litcamp in Berlin: zum ersten Mal am 9. und 10. November, mehr darüber hier.
Sponsoren für alle Literaturcamps werden übrigens immer gesucht .. Denn so was ist eine freiwillig-ehrenamtliche Angelegenheit, die immerhin 10- bis 15.000 Euro kosten kann. Wer also sein Geld im „Buchgeschäft“ verdient, für den ist das eine durchaus lohnende Alternative zu Werbe-Aktionen mit viel Streuverlust: Bei einem Literaturcamp sind die Interessent/innen hautnah vor Ort … Neugierde, anregende Gespräche und ganz direkte Fragen inklusive.

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Kurz: schön war’s, danke! Foto: vbachem.de

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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