Sie möchten Autor werden? Autorin? In aller Regel ist es ja so, dass der Weg allein zum GEDANKEN an ein eigenes Buch ein längerer Prozess ist. Und das ist auch richtig, denn da müssen durchaus schon im Vorfeld Fragen ganz unterschiedlicher Art beantwortet werden. Darum

Tipp 1: Lassen Sie sich Zeit!

Wer sich im Vorfeld zur eignen Buchpublikation nicht ausreichend Zeit lässt, kommt ganz schnell später „aus dem Tritt“. Da tauchen dann urplötzlich Fragen auf, die das ganze Projekt um Monate zurück werfen können. Zum Beispiel, wenn die Autorin feststellt, dass sie eine ganz andre Zielgruppe im Auge haben sollte, als die, für die sie momentan schreibt… Da herrscht vielleicht ein universitär-seriöser Sprachstil, ihre potentiellen Leser/innen lieben es aber eher locker und humorvoll. Oder der Autor stellt auf Seite 87 plötzlich fest, dass er sich mit seinem Thema in direkter Konkurrenz zu einem Bestseller-Titel befindet und muss sich fragen: Wo ist MEIN Markt für mein erstes Buch? Wer sich Zeit lässt bei der Planung seines eigenen Buchs, klärt solche – und viele weiteren – Fragen gründlich vor Beginn des Schreibprozesses. Daraus folgt:

Tipp 2: Erst einmal klären, wo Sie stehen können, wenn Sie Autor werden!

Um den richtigen Startpunkt zu finden, sollten Sie sich zwei essentielle Fragen beantworten: Wie bin ich? Und: Wo kann ich hin? Ich unterscheide mich an dieser Stelle stark von vielen anderen Ratgebern, die eher fragen „Wer bin ich? Und wo will ich hin?“ Der Unterschied ist leicht erklärt: Ich bin der Ansicht, dass wir alle tagtäglich viele unterschiedliche Rollen einnehmen können und müssen, privat wie beruflich. Als Ehemann agieren Sie anders als in Ihrer Berufs-Rolle, als Großmutter anders als in der Rolle einer Kundin und so weiter. Da passen wir uns den Gegebenheiten immer fix an. Doch das „Wie“ lässt sich nicht so leicht ändern. Wer eher introvertiert ist, kann kaum von einer Stunde auf die andere zur „Rampensau“ werden und Menschen bei öffentlichen Veranstaltungen zu Begeisterungsstürmen hinreißen. Wer zu Wutanfällen neigt, wird immer Schwierigkeiten haben, sich im Zaum zu halten. Und so weiter. Was das mit einer Buchveröffentlichung zu tun hat? Alles! Denn am Ende der Produktion müssen Sie für Ihr Buch einstehen können. Und da stellt sich dann die Frage: „Wo kann ich hin“? Denn nicht jeder von uns kann alles. Und das ist auch gut so – nur auf diese Weise kommt Vielfalt zustande. Selbst bei scheinbar „harmlosen Themen“ wie – sagen wir mal: Hundeerziehung – kann ich mein Buch auf jede nur erdenkliche Weise schreiben. Wenn ich nicht der Typ bin, der im Fernsehen mit live vorgeführten Tipps zur Hundeerziehung punkten kann (oder will), sollte ich meinem Buch von Anfang an einen eher fachlich-wissenschaftlichen Grundtenor geben. Dafür stehen Sie dann. Und statt live im Fernsehen aufzutreten, geben Sie vielleicht lieber einem Fachmagazin in aller Ruhe ein schriftliches Interview.  Das sind Fragen und Entscheidungen, die Sie sich stellen und  treffen sollten, bevor Sie mit dem Schreiben beginnen! (Auch, wenn es natürlich gar keine Garantie dafür gibt, dass Sie jemals derartige Presse-Anfragen bekommen… Die Möglichkeit besteht trotzdem immer!)

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Tipp 3: Recherchieren Sie gründlich!

Wirklich dumm ist, wenn Sie erst dann, wenn Sie schon mitten im Schreibprozess sind, feststellen: „O! Zu meinem Thema gibt es ja schon ein richtiges Standardwerk und/oder einen Bestseller, der sich prächtig verkauft!“ Ich bin überzeugt davon, dass wirklich JEDES Buch seinen Markt hat. Aber wenn Sie bei Ihrem Thema schon große Konkurrenz haben, sollten Sie vor dem Schreiben genau jenen Punkt finden, für den SIE stehen wollen. Der Sie von allen anderen Autor/innen unterscheidet. Darum: Recherche ist auch während des Schreibens wichtig, VOR dem Schreiben aber noch viel mehr!

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Tipp 4: Finden Sie IHR Plätzchen!

Das meine ich im doppelten Sinn. Wie oben beschrieben, ist es wichtig, dass Sie sich inhaltlich von Anfang an klar positionieren: Was kann ich, wie bin ich, wo will ich hin, wie unterscheide ich mich? Wenn Sie dann mit dem Schreiben beginnen, ist aber auch der reale Ort alles andere als unwichtig: Was inspiriert Sie? Brauchen Sie überhaupt Inspiration? Oder eher die häuslich vertraute Umgebung? Trubel um sich herum oder eher Ruhe und/oder Natur? Das können nur Sie allein beantworten. Aber mein Rat ist: Beobachten Sie sich selbst gründlich! Und wenn Sie IHR Plätzchen gefunden haben, sorgen Sie dafür, dass Sie wirklich über einen längeren Zeitraum genau dort schreiben können! Manchmal braucht es die entschiedene Mithilfe der ganzen Familie, damit das gelingt. Manche Menschen müssen sich selbst strikte Routinen verordnen, um zum Ziel zu komme… Finden Sie Ihren eigenen Weg. Und bleiben dann dabei!

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Tipp  5: Lesen oder nicht lesen?

Ich kenne mindestens einen Menschen, der hat sein Buchprojekt jahrelang „im Herzen bewegt“, bevor er seinen Plan umsetzte: „Ich will Autor werden!“. Bis dahin hatte er sich die strikte Auflage gemacht, in all der Zeit ausdrücklich NICHTS zum Thema seines geplanten Buches zu lesen. Er wollte sich den eignen Blick nicht durch die Auseinandersetzung mit anderen Standpunkten verstellen. I)n manchen Fällen ist das eine durchaus nicht unlogische Herangehensweise. Andre Menschen halten das aber schlicht nicht aus. Sie brauchen den Blick auf die „Konkurrenz“, um ihre eigne Position zu finden, wollen – oder müssen, vor allem bei wissenschaftlichen Texten – stets auf dem Laufenden bleiben…. Finden Sie bitte selbst heraus, was für Sie wichtig und richtig ist! (Dieser Punkt wird natürlich durch Tipp Nummer 3 relativiert… Wenn Ihr Buchprojekt in direkter Konkurrenz zu andren Titeln dieses Themas steht, sollten Sie zumindest wissen, wo  sich Ihre Mitbewerber inhaltlich angesiedelt haben….)

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Tipp 6: Immer dran denken: Sie sind nicht allein

Sicher, Schreiben ist ein einsamer Prozess. Muss es auch sein, denn sonst finden Sie nie zu „Ihrer Stimme“. Und trotzdem: Sie sind nie allen, müssen es nicht sein. Sie entscheiden, an welcher Stelle Sie sich in welcher Form Gesellschaft oder Hilfe holen wollen. Sie können Schreibseminare besuchen, Trainings-Einheiten buchen und jederzeit jedes geschriebene Kapitel zur Diskussion stellen: Freunden und/oder Familienangehörigen zeigen, auf online-Foren oder wieder in einer Schreibgruppe publik machen – es gibt jede Menge anderer Menschen, die auch gern Autor werden möchten. Oder Sie buchen jemanden wie mich, der Ihnen nach Absprache professionelles Feedback gibt. Wichtig ist mir an dieser Stelle vor allem: Wenn Sie das bereits Geschriebene regelmäßig zur Diskussion stellen, geraten Sie niemals in die Gefahr, sich in etwas „zu verrennen“, was später mit viel Aufwand wieder rückgängig gemacht werden muss. Denn das kann ziemlich frustrierend werden. Und führt oft genug dazu, dass Menschen ein mit viel Elan begonnenes Buchprojekt wieder abbrechen. Und das wäre wirklich schade!

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Tipp 7: Nutzen Sie die Magie chemischer Prozesse!

Es ist sprichwörtlich wahr: Die Chemie muss stimmen! Gerade bei so persönlichen Prozessen, wie es das Schreiben eines eigenen Buches ist, sollte man alles dafür tun, um diese Wahrheit zu nutzen. Denn dann entsteht im besten Fall wirklich so etwas wie Magie: Wenn Sie beginnen, Ihre Gedanken in Worte zu fassen und dabei jemanden an Ihrer Seite haben, der diese Gedanken teilt, ausbaut oder aus leicht „versetzter“ Perspektive widerspiegelt, habe Sie die Chance, manches selbst noch einmal neu oder mit unerwarteter Tiefe, aus einem andren Blickwinkel oder mit ganz neuer Intensität zu sehen… wirklich: Es kann magisch sein. Und ich wünsche Ihnen, dass Sie den Menschen finden, der Sie auf diese Weise beim Schreiben Ihres Buches begleitet! Das kann ein gutes Lektorat sein. Oder auch das Autorencoaching – so, wie ich es beispielsweise in der Tradition des griechischen Philosophen Sokrates als „Hebammenkunst“ für Autor/innen anbiete.